Großwindräder = Segen oder Fluch ?

Energiewende ohne große Windräder nicht möglich ?  Profit wichtiger als die Natur ?  “Gefälligkeitsgutachten” für Windradbranche und Politik ? Regionalversammlung ist keine Bürgervertretung. Umweltverträglichere Lösungen für die Energiewende unerwünscht ?

In letzter Zeit wird die Bevölkerung beim Thema Energiewende zunehmend sensibler und zu Recht immer misstrauischer, wenn es um die Standorte für Windkraftanlagen bzw. -“parks” geht, die hier in Mittelhessen für die Energiewende zwingend notwendig sein sollen. Besonders verwirrend sind die oft unterschiedlichen Stellungnahmen aus der Kommunal- und Landespolitik und der angeblichen Experten. In den meisten Fällen ist es Meinungsmache, mit denen die Realität schön geredet wird und die Bevölkerung für den eigenen Standpunkt eingenommen werden soll.220px-windpark_neudorf_-_fertig

Mit “netten” Bildchen, wie diese, wird der Bevölkerung windrader-im-wald1suggeriert, wie gut doch selbst über 120m hohe Windanlagen angeblich auch in unsere Landschaft passen. Planungsmängel, die gravierenden negativen Auswirkungen auf die Natur und die möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Bevölkerung werden verniedlicht oder bestritten. Mit der “Totschlagsbehauptung” ohne große Windkraftanlagen sei die Energiewende in Mittelhessen nicht möglich, wird versucht kritische Stimmen möglichst mundtot zu machen. Und warum ?

– Wem nutzen die Windräder hauptsächlich ? – Wie bei anderen Projekten, geht es den Befürwortern hier hauptsächlich nur um Profit ! Großwindräder sind daher für die Windradhersteller und Betreiber, oft über Tochterunternehmen  auch da beteiligt, ein Segen. Selbst Ableger kommunaler Firmen mischen aus Profitgier mit.  Bei der jetzigen staatlichen Förderung in finanzieller Hinsicht ein warmer Regen für diese Branche und die Helfershelfer, die für ihre Unterstützung gut bezahlt werden. Ausbaden muss dies alles die Bevölkerung über die EEG-Umlage im Strompreis.

– Was tun die Kommunen dazu ? – Einen Segen für ihre klamme Gemeinde- oder  Stadtkasse erwarten auch einige Kommunalpolitiker, die schon mit “$-Zeichen in den Augen” nicht merken (wollen oder können), dass die angeblich hohen Pachterlöse für die Genehmigung von WKA´s nur der kleinste Anteil am tatsächlichen Jahresgewinn der Betreiber sind. Dabei steht schon zu Anfang fest, dass diese Pachteinnahmen bei einer Haushaltssanierung nur ein Tropfen auf einen heißen Stein sein können. “Großzügig” bietet man auch noch eine sogenannte Bürgerbeteiligung mit attraktiver Rendite an. In Wahrheit geht es den Anbietern aber hauptsächlich darum, den Bürger von der Naturzerstörung abzulenken und ihn mit seiner finanziellen Einlage am relativ hohen unternehmerischen Risiko noch zu beteiligen. Und das ist kaum kalkulierbar, denn ob die staatliche Förderung auf Dauer wirklich gegeben ist und ob die Windkraftanlage tatsächlich die angeblich gesicherte Leistung und den entsprechenden Ertrag bringt, lassen erhebliche Zweifel aufkommen, wie schon bei laufenden Windrädern immer öfters zu hören.

Beispiel in Wetzlar: Für den Bau von 7 Windrädern bei Hermannstein/Blasbach haben die Stadt und eine Firma Koehler Renewable Energy (KRE) eine Absichtserklärung unterschrieben für eine Projektierungs- und Betreibergesellschaft mit der 100 % städtischen Gesellschaft Enwag und KRE. Interessant ist, dass 5 Windräder auf städtischem Grund und 2 auf von der KRE bereits gekauften Gelände gebaut werden sollen. Und es soll ein “Bürgerbeteiligungsmodell” angestrebt werden. Lt. dem Umweltdezernenten (B´90/Grüne) habe man Vorsorge getroffen, falls sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern und das Projekt nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne. Er verschweigt aber, woraus diese Vorsorge besteht, ebenso wer die bis zu einem eventuellen Stopp angefallenen Kosten trägt. (Siehe dazu auch die noch folgenden Ausführungen aus dem Schwarzwald.) In o. a. Artikel vom 30.11.13 aus dem Gießener Anzeiger geht auch nicht hervor, wer diese Firma KRE eigentlich ist. Im Internet ist zu erfahren, dass die KRE eine neue Tochtergesellschaft der Koehler Holding, Papierfabrik, in Oberkirch am nördlichen Schwarzwald ist. Woraus sich die Frage ergibt, was bewegt einen großen Papierhersteller dazu, Tochterfirmen zu gründen, um Windradprojekte maßgeblich mit zu finanzieren. Da es weder Umweltschutz noch soziale Gründe sein können, bleibt eigentlich nur ganz profan der Profit als Ziel der KRE übrig.

Dieses Ziel peilt auch eine Gießener Kreiskommune an, die sich mal locker mit 250.000 € an einem Windpark in der Nachbarschaft beteiligen will, weil beim eigenen, angeblich erst so gut geeignetem Vorranggebiet jetzt große Zweifel aufgetaucht sind.  Das unternehmerische Risiko auf Kosten der eigenen Steuerzahlers scheint dabei keine Rolle zu spielen. Mit diesem Betrag die gemeindlichen Schulden zu reduzieren oder das Haushaltdefizit 2014 etwas zu reduzieren, wäre auf jeden Fall der verantwortungsvollere Weg.

Heftige Diskussionen für und gegen Windräder werden aktuell im Bereich Laubach und Grünberg geführt. Da sind viele Bürger u. a. die Jäger, zurecht gegen die Zerstörung der Wälder, während Befürworter die Probleme verniedlichen und auch noch Parlamentarier loben, die sich der tasächlichen Tragweite ihrer Pro-Entscheidung wohl nicht bewusst waren und nur das Geld gesehen haben. Man scheut sich auch nicht davor aus der Anzahl der Unterschriften einer Bürgerinitiative zu behaupten, die Mehrheit der Bevölkerung sei nicht gegen das Windradprojekt. Noch merkwürdiger ist dabei die Ansicht, dass es nicht so schlimm sei, Wald für Windräder zu opfern, denn bei möglichen kommenden Stürmen, wie Kyrill, werde ja wesentlich mehr Wald zerstört !? Merke: Abfällige Äußerungen gegen Andersdenkende und die Verteidigung von fragwürdigen Beschlüssen reißen unnötig Gräben auf und fördern nicht das friedliche Zusammenleben. Wesentlich wohltuender ist da die Sachlichkeit derer, die gegen große Windräder in unserer Gegend belastbare Bedenken vorbringen. Dies beweist auch die Jägervereinigung Oberhessen, die sich gegen die Waldzerstörung wehrt.

Und was bleibt uns hier, wenn sich die Befürworter durchsetzen ? Auf viele Jahre große Bereiche zerstörter Natur und die Verschandelung der Landschaft in der Größe eines Sportplatzes je Windrad (!). Schuldig machen sich hier kurzsichtige kommunale Gremien, Parteien und Bürgermeister, die ja meist nach Ablauf ihrer Wahlzeit jede Verantwortung von sich weisen und dann behaupten, die negativen Folgen seien vorher nicht absehbar gewesen. Der Dumme ist dann die Natur und die Bevölkerung vor Ort.

Hier mal zu Problemen im Schwarzwald, der ja doch etwas höher ist als unsere Gegend, die uns nachdenklich machen sollten.

Auf dem Berg weht halt der Wind und im Tal nicht.
Wie fragwürdig solche meist umfangreiche Expertisen bezüglich geeigneter Windradstandorte sind, lässt sich aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 23.10.2013 ersehen. Hier einige Aussagen daraus: Viele Windkraftanlagen in Süddeutschland sind unrentabel, weil schlicht zu wenig Wind weht. Offenbar liegt es an den vermuteten Standorten im sogenannten Windatlas (bei uns Regionalplan), den die Länder sich jeweils erstellen ließen. Dieser suggeriert, dass es viele gute Standorte gibt – tatsächlich existieren sie häufig nicht ! Es sei auch lächerlich zu sagen, an einem Standort gäbe es beispielsweise einen Wert von 5,75. Zwei Stellen hinter dem Komma würden wissenschaftlich klingen, in Wirklichkeit könne es aber 100 m nebenan schon ganz anders aussehen. Der Windatlas, bzw. die TÜV-Gutachten sind ein Anhaltspunkt – mehr nicht. Und um zu der Erkenntnis zu kommen, dass der Wind auf dem Berg weht und kaum im Tal, hätte man auch ohne Windatlas kommen können.
Der Bundesverband Windenergie hat festgestellt, dass von 2002 – 2011 die Erlöse aus Windstrom nur 86 % der erwarteten Umsätze erreicht haben. Und das Umweltministerium in Stuttgart meinte, generell könne es sein, dass Messgutachten eines Standortes von den Werten im Windatlas abwichen, weil das durchschnittliche Windaufkommen an einem Standort von Jahr zu Jahr um 30 % (!) schwanken könne ! Im Artikel ist weiter zu lesen: Im mittleren Schwarzwald ruht ein Projekt für ca. 50 Anlagen, weil zwei unabhängige Messgutachten festgestellt haben, dass der Wind dort deutlich schwächer weht als (im Windatlas) vermutet und daher der angenommene Ertrag 12 % geringer ausfallen würde. Bisher hat die betroffene Kommune schon 300.000 € nur für die Planung ausgegeben. Für nichts ? Dazu führt der TÜV Süd aus, der Windatlas (Regionalplan = Auszug aus dem hesssischen Windatlas), sei kein Ersatz für ein akkreditiertes Windgutachten ! Er diene nur der ersten Orientierung, diene aber heute (realitätsfremd) auch noch als behördliche Planungsgrundlage. Ein Fachmann: Wenn man nach den gleichen Kriterien Baugebiete ausweisen müsste, würde ein Aufschrei durch die Republick gehen ! Allgemein käme hinzu, dass im Gegensatz zum Norden das Gelände hügelig sei, wodurch sich auf kleinem Raum große Unterschiede in der Windstärke ergäben. Ein solitärer Berg wirft noch Dutzende Kilometer dahinter einen Windschatten. Und im Wald, wo oft Anlagen errichtet werden sollen, ist der Wind schwer vorherzusagen, weil die Oberfläche unterschiedlich rauh ist und sich die Windfelder wegen der Bäume in die Höhe verschieben. Diese Auswirkungen ausreichend sicher z. B. durch Strömungsanalysen zu belegen, mache den Gutachtern immer noch Probleme.

Fazit: Ungeeignete Standorte, unzureichende Messungen, ungenügender Abstand der Windräder voneinander  und angeblich sichere Ertragsvorstellungen verhindern bei Windparks den Nutzen für die Energiewende und machen das unternehmerische Risiko fast unkalkulierbar. Dies wird aber der Bevölkerung gegenüber oft verharmlost. Ebenso wie die möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die ständigen Laufgeräusche und den Infraschall der Rotorblätter. Noch unbekannt sind die Folgen für Mensch und Tier durch die ständigen nächtlichen “Blitzlichtgewitter” der roten Sicherheitleuchten auf den Windradrotoren. Zumindest in näherer Umgebung wird es nie mehr richtig Nacht.  Ganz abgesehen von möglichen Rotorbränden durch technische Defekte, bei denen die Feuerwehr heute nur tatenlos zusehen kann.

– Wie geht das Land Hessen die Energiewende an ? – Kurz gesagt, sehr einseitig pro Großwindrädern. Man hat den Eindruck, bei den beführwortenden Politikern im Lande, mit der angeblich notwendigen Belegung pauschal 2 % der Landesfläche mit großen Windkraftanlagen (WKA) zu bepflastern, enthebt diese offenbar ihrer eigentlichen Aufgabe, alle Möglichkeiten zur Energiewende ausgewogener und intelligenter politisch vorzubereiten und zu steuern. Ein wirklich fundiertes Gesamtkonzept zur Energiewende ist weder im Bund noch im Land klar erkennbar. Angesteckt von der  Hektik nach dem Reaktorunglück in Japan ist die Politik einfach losgerannt, nach dem Motto:

Wir wissen zwar noch nicht ob das sinnvoll ist, was wir tun, aber wir fangen schon mal an !

Die negativen Folgen spürt die Bevölkerung schon über Gebühr in ihrem Geldbeutel, während andererseits diverse Unternehmen nur aufgrund angeblicher Wettbewerbsnachteile geschont werden. Gut, dass sich z. Zt. die EU mit diesen offenbar sehr lasch gehandhabten Freistellungen auf Kosten der Bevölkerung und des Mittelstandes durch die Bundesregierung beschäftigt.

Zurück zu Hessen: 2 % hören sich nicht nach viel an. Wenn man aber weiß, dass dies von den 21.115 km² hessischer Landesfläche rund 422 km² bzw. 42.200 Hektar oder 422.000.000 m² sind und dies entspricht etwa der Gesamtfläche der Städte Frankfurt, Kassel und Gießen zusammen ! Kaum vorstellbar, aber beabsichtigt wird vom Land etwa diese Größenordnung mit Großwindanlagen zu bepflastern.

Ein willfähriges Instrument zur Durchsetzung dieser Naturzerstörung und Landschaftsverschandelung ist die sogenannte Regionalversammlung, die die vom Land gewünschte Regionalplanung umsetzen soll. Dazu ist in der Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt, dass dieses, den Kommunen übergeordnete Gremium gar nicht von der Bevölkerung gewählt wird,  sondern aus deligierten Vertretern der Städte und der Kreistage besteht und vom Regierungspräsident und damit dem Land gesteuert wird. Dass da berechtigte Belange der Gemeinden und der Bevölkerung oft auf der Strecke bleiben, ist nicht verwunderlich.

Typisch für die “Rücksichtslosigkeit” der Behörden ist hier ein Bericht in der Gießener Allgemeinen am 18.10.13 zum sogenannten “Energiepark Rabenau”. Auf dem dazugehörenden Foto sind vier Personen, u. a. Regierungspräsident, Bürgermeister und Investoren vor einer halb gerodeten Waldfläche zu sehen. Die Überschrift lautet “Hat Modellcharakter”. Schade, dass der Redakteur den wichtigsten Teil weggelassen hat. Passender wäre: “Hat Modellcharakter für planmäßige Naturzerstörung”! Etwas seltsam ist auch hier, dass zu den beteiligten Investoren bzw. Firmen keine Hintergrundinformationen in der Presse zu finden sind. Warum wird verschwiegen, dass im Falle Rabenau ein Dr. Claus M. Brodersen, Agraringenieur aus Gießen, als Geschäftführer sowohl die Firma iTerra bei Flensburg, wie auch die WPRI GmbH steuert und beste Verbindungen zum Anlagenhersteller REpower hat, der wiederum eine 100%-Tochter eines indischen Unternehmers ist, der dort das Land mit Großwindanlagen “beglückt”. Es gibt auch keine Informationen über die tatsächlichen Beziehungen der handelnden Personen aus Kommune, Behörden und den Firmenleitungen untereinander.

Bezeichnend ist auch ein Beispiel aus dem Odenwald lt. Zeitungsbericht im November, wo Befürworter eine Genossenschaft aus Bürgern, Kommunen und Unternehmen (!) gegründet haben und Gegnern, wie z. B. kritischen Bürgern, Naturschützern, usw. die die angeblich großen Windgeschwindigkeiten bezweifeln, ganz offen drohen, Windparks mit Beteiligungen externer Investoren zu bauen.

Die Windradbefürworter versuchen auch mit Gutachten von Experten über eine angebliche “Umweltverträglichkeit” des jeweiligen Standortes, Kritiker als fachlich unwissend hinzustellen. Dabei wurden die geltenden neuen EU-Umweltauflagen oft nicht beachtet, die eindeutig auch eine “Abschätzung der optischen Auswirkungen” fordern und Bauvorhaben nicht zulassen, “die die Sicht auf die Natur einschränken und die Harmonie der Landschaft stören”. lt.  Bericht der Ostsee-Zeitung vom 21.10.13.
Dabei sollte allgemein bekannt sein, dass gewöhnlich ein Gutachten so ausfällt, wie es der Besteller (Bezahler) gerne hätte. Früher wusste man schon: “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing”. So erstaunt es auch nicht, dass der TÜV Süd für Mittelhessen angebliche Vorranggebiete ausweist, deren Standorte mehr als bedenklich sind. Dazu liegen sie zu über 90 % (!)  in Waldgebieten ! Und je nach Wunsch, wird auch “gutachterlich” behauptet, dass z. B. Windräder in ca. 1000 m Entfernung von Wohngebieten niemand mehr “beeinträchtigen” würden. In Wahrheit wird auch damit nur versucht, die Bevölkerung zu täuschen. Dabei wäre es genau so fragwürdig, wenn zufällig 800 oder 1500 m genannt würden.

Auch nur zufällig erfährt man, dass Experten “intern” offen zugeben, dass ihre Prognosen bezüglich Windenergie und Solarparks nun mal direkt von den Schwankungen des Wetter abhängig sind und daher mehr oder weniger Vermutungen sind. Da helfen auch keine noch so wissenschaftlich aussehenden mathematische Berechnungen mit zwei Stellen hinter dem Komma. Ein Beispiel zu den realen Wetterschwankungen: RWE selbst berichtete kürzlich, dass am Feiertag, dem 3.10.13 so viele gute Faktoren wie Sonne und Wind gleichzeitig zutrafen, dass  38 Gigawatt Ertrag in Deutschland erzielt wurden und ein Großteil der konventionellen Kraftwerke abgeschaltet werden musste, während an trüben, windstillen Tagen nur Energie im einstelligen Gigawattbereich mit Wind und Solar erreicht werden könne. Trotz immer besser werdender Wetterprognossen gebe es je nach Wetter, Tages- und Jahreszeit zwangsweise starke Schwankungen. Weiter wird ausgeführt, dass bis Mitte 2013 in Deutschland rund 65 000 Megawatt Leistung an Wind- und Solaranlagen installiert seien. Über das Jahr gesehen, habe die maximale Einspeisung von 2011 – Mitte 2013 aber nur bei rund 56 % gelegen.     

Was von (bezahlten) “Experten” zu halten ist, wusste auch der Schauspieler Hannes Messemer, der erkannte: Experten sind Leute, die andere daran hindern, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen !

Und Bertrand Rusell warnte schon: Wenn sich alle Experten einig sind, dann ist höchste Vorsicht geboten !

Selbst Einwände der Flugsicherung und der unvoreingenommenen Naturschützer z. B. bezüglich der Vogelzugstrecken zwischen Vogelsberg und Westerwald und kritischer Bürger werden entweder bestritten oder als vernachlässigbar hingestellt, weil u. a. sachlich neutrale Auswertungen nicht erwünscht sind. Gutgläubige Parteipolitiker, z. B. B´90/Die Grünen, sowie manche NABU-Mitglieder machen sich hier teilweise zu Handlangern der Profiteure der Windradbranche mit der Angabe von teils wachsweichen Kriterien die selten klar abgrenzbar sind, nach dem Motto: Es ist alles nicht so schlimm, Windräder für die Energiewende sind wichtiger. Beide Organisationen sind in der Windradproblematik intern aber tief gespalten und weichen von ihrer früheren klaren Linie für eine intakte Natur leider immer mehr ab.

Wenn z. B. ein Naturschutzverband eine Klage gegen einen Windpark für eine Spende von 500.000 € zurückzieht, dann gleicht das dem Verkauf des Gewissens. Der amtliche Naturschutz hetzt gegen die sogenannten Naturnutzer, wie Landwirte, Jäger, kritische Naturfreunde , aber über die in den Windrädern gehäckselten Vögel und Fledermäuse wird geschwiegen. Ein Leser des Focus-Artikels von Anf. Okt.: Die Natur kommt unter die Räder, berichtet von der badischen Bergstraße, dass der dortige BUND gar nicht genug Flächen für Windmühlen bekommen könne. Einfach unfassbar, dass  sich ein Naturschutzbund für die Landschaftszerstörung einsetzt.

Auch bei der heimischen Partei B´90/Die Grünen scheint im Hinblick auf Akzeptanz oder Ablehnung von Windrädern durch die Bevölkerung eine mehr als seltsame Vorstellung zu herrschen. Wenn eine hauptamtliche Kreisbeigeordnete der Grünen bei einem “Interkommunalen Energietreffen der Grünen” ausführt, Windkraftgegner seien in der Regel keine Einheimischen, sondern Zugezogene aus der Großstadt, muss man sich fragen, woher sie diese Weisheit hat und was diese Verunglimpfung eines Bevölkerungsteils soll. Ist es Frust darüber, dass immer mehr Bürger gegen die Verspargelung kritisch aufbegehren oder einfach Böswilligkeit, weil die Bevölkerung die geplante Naturzerstörung ihrer Heimat auch durch “grüne Handlanger” nicht einfach hinnimmt ?  Nur am Rande erwähnt wurde bei diesem Treffen die Möglichkeit privater kleiner Windanlagen, als Meinung einiger Teilnehmer. Die Mehrheit sah dies aber nicht als ein Thema. Motto: Konstruktive Kritik ist unerwünscht. Als positiv wurde sogar der Windradbau in Rabenau hervorgehoben. Hier hätten die Bürger mit den ersten Windrädern angeblich keine negativen Erfahrungen gemacht. Worauf sich diese Behauptung stützt, wurde nicht gesagt.

Typisch ist auch, dass die hessischen Grünen in einem Artikel vom 14.09.13 anderen Parteien vorwerfen die Energiewende an die Wand zu fahren (ob berechtigt oder nicht bleibt offen) und ihrerseits wollen, dass die Ängste und Fragen der Bevölkerung ernst genommen und beantwortet werden. Dann wird behauptet, dass sich bei einem ernsthaften Dialog herausstelle, dass den Bürgerinnen und Bürgern die Ängste genommen werden könnten. Nähere Angaben dazu fehlen aber. Im folgenden Text wird dann unterschwellig ein direkter Zusammenhang zwischen der Befürwortung von 93 % der Bevölkerung für die Energiewende nur mit der Notwendigkeit der Windenergie hergestellt, die im Binnenland eine der preiswertesten Erzeugungsarten sei. Dass die Bevölkerung  intelligente Lösungskonzepte von der Politik für die Energiewende erwartet und keine einseitigen Großwindradvorhaben, das wird wieder einmal verschwiegen.

Besonders perfide ist hier, dass die willfährigen politischen Befürworter und Profiteure der Großwindräder den Kritikern böswillig unterstellen, gegen die Energiewende und die Windkraft zu sein, was gar nicht zutrifft. Die Kritiker wehren sich zu Recht  gegen die Naturzerstörung durch eine einseitige Stromerzeugung nur durch Großwindanlagen und großflächige Solarparks.

Denn Windenergie ließe sich beispielsweise direkt vor Ort mit mehreren Kleinwindrädern ohne wesentliche Nachteile viel sinnvoller betreiben. Der größte “Nachteil” ist, dass diese Lösung für die großen Profiteure unrentabel ist, weil sie privat und genossenschaftlich vor Ort realisiert werden kann. Gleiches gilt bei Solaranlagen auf privaten Dächern oder Gelände.

Bei diesem bisher geschilderten Hickhack aus Halbwissen, politischer Besserwisserei, einseitigen Gutachten, Naturschutzdifferenzen und Profitgier, stellt sich die Frage, was von der Gesinnung mancher Naturschützer, Grünen und auch anderen Politikern in Bund, Land und Kommunen zu halten ist, die einerseits bei Baugebieten, Straßenbauten, usw., wegen der Beeinträchtigung selbst einer einzigen Tier- oder Pflanzenart sofort Zeter und Mordio schreien , aber die Naturvernichtung von großen Wald- und Feldflächen für die Windradparks als kleineres Übel betrachten ! In unserer Kommune wurde beispielsweise die Neuerrichtung des Bauhofs vor einigen Jahren von den Grünen heftigst bekämpft, weil damit ein Bestand der bisher örtlich unbekannten”geflügelten Ödlandschrecke” vernichtet würde. Das gleiche Gremium findet aber Ende 2012 den Hohenahrer Windpark mitten im Wald als vertretbar und regt eine Standort-Diskussion auch in Heuchelheim an. Das verstehe wer will ! Ein passendes Zitat dazu aus dem FOCUS Magazin Nr. 39 (2013) : (Dieses) …Vorgehen gegen die Natur schockiert viele Umweltfreunde deshalb, weil es überhaupt nicht zu Deutschland passen will.  Schließlich gelten hier Umweltgesetze, die weltweit zu den schärftsten zählen. In kaum einem anderen Land genießen Naturschutzverbände so viel Prestige. Die Energiewende führt allerdings zu einer tiefen Schizophrenie: Beim Bau von Wind- und Solarparks gelten Kahlschlag und Tierverkraulung neuerdings als verschmerzbare Kollateralschäden. (Zitatende).

Um es klar zu sagen: Ein Großwindrad passt so wenig in einen Wald, wie ein Panzer in ein Getreidefeld !

Zwischenbilanz zur aktuellen Situation:

Seitens der Landespolitik werden zur Zeit die weiteren Möglichkeiten, wie Biogasanlagen, Photovoltaik, Wasserkraft, Geothermie und nicht zu vergessen die Kleinwindanlagen, aufgrund fragwürdiger Gutachten als in der Summe vernachlässigbar abgetan. Dazu wird dem Thema Energieeinsparung noch viel zu wenig Bedeutung eingeräumt.

Was kann und muss für die Energiewende getan werden ?

Es wird höchste Zeit, dass Bundes- und Landespolitik endlich dem Erhalt unserer Natur den Vorrang vor Klientelversorgung gibt und umgehend positiv und konstruktiv die politischen Grundlagen für alle Möglichkeiten der Energiewende schafft ! Und die Kommunalpolitik vor Ort, einschließlich Verwaltung, ist aufgerufen, über den Tellerrand der eigenen Kommune hinauszusehen und die Zusammenarbeit mit den Nachbarn besonders im Energiebereich nicht nur verbal, sondern aktiv mitzugestalten ! Hier haben die politisch Verantwortlichen ein wesentlich sinnvolleres Betätigungsfeld, als eine geforderte  noch stärkere wirtschaftliche und damit risikoreichere Unternehmensbetätigung der Kommunen auf Kosten ihrer Bevölkerung. Regionale Energiegenossenschaften der Bürger sind hier die vernünftigste Lösung, auch weil nur so das Geld tatsächlich vor Ort bleibt.

Noch sehr selten hört man davon, dass manche Kommunalpolitiker so langsam umdenken und nicht nur auf die Großwindräder schielen. So war vor wenigen Tagen zu lesen, dass die Gießener Landrätin Frau Schneider bei einem Firmenbesuch einer Gießener Firma nach der weiteren Entwicklung der Kleinwindanlagen gefragt habe. Denn diese könnten auch für den mittelhessischen Raum infrage kommen.

Folgend einige Anmerkungen und Hinweise zur Energieeinsparung und umweltverträglicheren Energiegewinnung:

Zur Energieeinsparung, deren Potenzial oft noch unterschätzt wird, gibt es überall viele Tipps und Vorschläge, wie auch gesetzliche Vorgaben bei Bauvorhaben. Für die notwendige, besser strukturierte Hilfe vor allem für Hauseigentümer gibt es schon organisierte Vereine bzw. Organisationen, diese aber meist nur gemeindebezogen, anstatt regional. Ein bisher leider kaum beachtetes weiteres Hauptproblem lässt sich aber auch mit allen gut fundierten Modernisierungs-vorschlägen nicht lösen. Viele Hausbesitzer, meist Ältere, sind schon froh, wenn sie ihr Heim finanziell gerade so halten können, was oft schon am äußeren Zustand des Hauses erkennbar ist. Aus Scham wird verständlicherweise verschwiegen, dass sie einfach finanziell nicht in der Lage sind, Energiesparmaßnahmen zu stemmen, auch nicht bei günstigsten Krediten oder Zuschüssen. Hier könnte die schon genannte bürgerliche regionale Energiegeschnossenschaft gute Lösungen bieten, aber die fehlt leider noch.

Zur alternativen Energieerzeugung: Das Gießener Klärwerk soll bis 2015 von einem Energieverbraucher zu einem Energielieferanten von Strom und Wärme umgebaut werden. Eine weitere Möglichkeit sind Wärme- und Stromerzeugung in Biogasanlagen. Allerdings gibt es hier noch Probleme bezüglich großflächigem Maisanbau, wie auch des Abfallproduktes, das “schärfer als Jauche” ist und bei der Ausbringung auf die Felder das Grundwasser stark belasten kann. Dazu kommt, dass viele Anlagen, je nach Beschickungsmaterial, unterhalb der wirtschaftlichen Auslastung von etwa 85 % blieben, was auf die Dauer den Betreiber finanziell in Schwierigkeiten bringe. So nachzulesen am 16.10.13 in der Ostseezeitung. bild12
Sinnvoll ließen sich Strom und Wärme auch mit einem Biomassewerk (z. B. Hackschnitzel) produzieren.
Dabei wäre ein Standort in Verbindung mit z. B. Hallenbad, Verwaltungszentrum, Zentralbauhof, o. ä. größeren Gebäuden ideal. Diese ließen sich dann sogar energieautark betreiben. Die Tiefengeothermie ist nur in langfristig untersuchten Gegenden möglich, z. B. bei Groß Gerau, wo eine Anlage gebaut werden soll, die zum Preis von nur zwei Windrädern permanent Strom und Wärme für ca. 15.000 Einwohner liefern kann. Oberflächennahe Geothermie gibt es zunehmend schon im privaten Bereich und könnte weiter ausgebaut werden, je nach den geologischen Gegebenheiten vor Ort.

Vertikal-Windrad
Vertikal-Windrad

Für private und gewerbliche Kleinwindanlagen, die teils sogar genehmigungsfrei aufgestellt werden können und eine wesentlich geringere Windgeschwindigkeit benötigen, gibt es diverse Möglichkeiten. 1173-turbina1In Baden-Württemberg werden diese Anlagen schon staatlich gefördert. Je nach der örtlichen Windsituation können sie freistehend im Gelände, auf großen Parkplätzen, z. B. auf den Beleuchtungsmasten, auf Hausdächern,

Horizontalwindrad
Horizontalwindrad

Fabrikgebäuden, usw. aufgestellt werden. Vertikalwindräder haben den Vorteil, dass sie kaum zu hören sind und nicht die Umwelt schädigen, während Hotizontalräder dafür mehr Leistung bringen.

Solarpanel
Solarpanel

Bei weitem noch nicht ausgereizt sind die Möglichkeiten des Solarstroms. Laut der Internetübersicht Solardach Hessen gibt es noch viele geeignete Dachflächen in Hessen, wobei die Aufständer-möglichkeiten bei den großen Flachdächern der Industrieanlagen noch nicht mal berücksichtigt sind. Ebenso wie z. B. bewegliche Solaranlagen, die wesentlich weniger Platz benötigen, als großflächige Solarparks und deren Ausbeute durch die Nachführung zum Sonnenstand erheblich gesteigert werden kann.

Und ganz wichtig für Mittelhessen, die von Wind und Sonne unabhängige und immer mögliche Energiegewinnung aus Wasserkraft. Eon schreibt dazu: Fließende Energie – effizient, sauber & rund um die Uhr verfügbar. heckenmuehleDer hohe Wirkungsgrad der Anlagen von über 90 %, die nachfragegerechte Bereitstellung der Energie und die robuste Technik machen diese Kraftwerke zu erfolgreichen Langläufern.Bei Toptarif heißt es unter: Wasserkraft – eine Investition in die Zukunft.

Früher Getreidemühle heute Wasserkraftwerk
Früher Getreidemühle heute Wasserkraftwerk

Um das Jahr 1900 arbeiteten in Deutschland rund 80.000 Wasserkraftwerke aller Größen. Im Jahr 2000 waren es noch rund 8.000, also ein Verlust von 90 % !. Und etwas weiter wird festgestellt: Die Wasserenergie ist die am besten erforschte und am weitesten entwickelte erneuerbare Energie. Überall auf der Welt arbeiten Wasserkraftwerke zuverlässig, sicher und ohne unsere Atmosphäre zu belasten. Anschließend relativiert der gleiche Autor seine zuvor geäußerten Feststellungen seltsamerweise, in dem er ohne jede Begründung behauptet: Andererseits sind mit der Nutzung der Wasserkraft auch erhebliche Eingriffe in Natur und Landschaft verbunden. Übersehen hat dieser Autor wohl folgende Punkte: Die Mühlentechnik heute ist mit der von 1900 nicht mehr vergleichbar und mit weniger technischem Aufwand wesentlich effizienter. Auch die  Schutzeinrichtung für Fische vor einer Wasserturbine ist heute technisch kein Problem. Kleinere Wassermühlen sind, wie bei der Kleinwindanlagen und Solardächern, für die großen Energieunternehmen finanziell nicht interessant. Dazu kommt, je mehr Kleinanlagen für erneuerbare Energien vor Ort in Betrieb gehen, desto größer wird die Konkurrenz für die Energieriesen EON, RWE, usw. Daher wird versucht, mit allen möglichen Behauptungen die lokale Energieerzeugung zu verhindern. Dabei ist bekannt, dass hauptsächlich in Süddeutschland stillgelegte Mühlen umgebaut und als Wasserkraftwerke wieder aktiviert wurden, oder bereits vorhandene wurden modifiziert. Weniger bekannt ist, dass die Energieriesen selbst auch große Wasserwerke zur Stromerzeugung besitzen.

Wasserwerk auf der Weser
Wasserwerk auf der Weser

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass in unserer unmittelbaren Umgebung im Biebertal einmal 14 (!) Mühlen liefen, die heute alle stillgelegt sind. Ein brachliegendes Potential, deren Nutzung mit der neuesten Technik durchaus möglich wäre und weniger kosten würde, als ein einziger Windpark mit ca. 6 Rotoren. Auch das wäre ein weiterer Baustein zur lokalen Unabhängigkeit in der Energieerzeugung durch eine Genossenschaft.

Es wird zwar immer beklagt, die Speichertechnik für Wind- und Solarstrom sei noch das große Problem. Für Großerzeuger wie Wind- und Solarparks mag das zutreffen, für kleinere Anlagen, wie zuvor angeführt, gibt es bereits sinnvolle Lösungen. So bietet z. B. die Fa. Bosch einen Hybridspeicher mit leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien für ein Wohnhaus an, deren Investition der Staat mit bis zu 30 % bezuschusst. Der vollautomatisch funktionierende Speicher in der Größe eines Gefrierschranks versorgt tagsüber mit dem Strom der Photovoltaikanlage an die jeweiligen Verbrauchstellen im Haus. Der überschüssige Strom wird in den Baterien gespeichert und abends und nachts im Haus abgegeben. Erst wenn dieser nicht ausreicht, wird Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen. Wird andererseits tagsüber mehr Strom erzeugt als verbraucht und die Batterien sind voll, wird der Mehrstrom ins öffentlich Netz eingespeist. Zur Zeit können mit dieser Speichertechnik bis zu 80 % des Stroms der eigenen Solaranlage selbst verbraucht werden.  Der direkte Verbrauch vom selbst erzeugten Strom ist lt. Fa. Bosch mittlerweile lukrativer, weil die Einspeisevergütung immer weiter sinkend.

Fazit: Es wird höchste Zeit, dass Landes- und Kommunalpolitik aufhören, gegen die Natur und die Bevölkerung zu handeln, sondern die Energiewende sachlich und ausgewogen angehen. Vorrangig sind hier die Schaffung vernünftiger Rahmen- und Hilfsbedingungen auf der örtlichen Ebene. Dabei sollten die verantwortlichen Personen drei Punkte immer bedenken:

– Mittelhessen ist kein Windmühlenland, aber schon über 1000 Jahre ein Wassermühlenland !
– Den Aufschrei der Natur hört man ja nicht ! Und
– wollen wir wirklich die Spätfolgen falscher Energiepolitik den nächsten Generationen aufbürden ?.

Hoffen wir für das Neue Jahr 2014, dass die Politik auf den richtigen Weg zurück findet !


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