Gelungene KWI-Tagesfahrt nach Trebur

(Bericht aus dem Gießener Anzeiger vom 18.10.2011, teilweise ergänzt.)
Kinzenbach. Zur Information und zum Gedankenaustausch besuchten KWI-Mitglieder die südhessische Gemeinde Trebur, die in vier Ortsteilen ca. 13.000 Einwohner hat. Bürgermeister Jürgen Arnold, der seit 2001 im Amt ist, begrüßte die Besuchergruppe im Rathaussaal.
Die einstmals reiche Gemeinde konnte sich in den 70er und 80er Jahren nicht nur ein neues hochmodernes Rathaus leisten, sondern beim Straßenbau sogar auf Anliegerbeiträge verzichten. Nach dem absehbaren Wegzug des Hauptsteuerzahlers Mitte der 90er, der jährlich rund 30 Mill. DM einbrachte, ging es mit den Gemeindefinanzen stetig bergab.
Für 2012 rechnet Trebur mit einem Defizit von etwa 6,5 Mill. €, was etwa ein Viertel der Haushaltssumme entspricht. „In finanzpolitischer Hinsicht ist Griechenland nicht weit weg, sondern die hessischen Kommunen sind schon in Griechenland angekommen und nur wenige wollen es auch einsehen“, sagte Bürgermeister Arnold. Er findet es auch unerträglich, dass eine Gemeinde mit mühsam verbesserten Haushaltsergebnissen, dann gleich mit einer höheren Kreisumlage regelrecht bestraft würde.Arnold stellte seine Gemeinde näher vor, die mit rund 50 km² Fläche fast fünfmal größer als Heuchelheim ist und die noch 50 Vollerwerbslandwirte hat. Es war deutlich zu spüren, dass sich der Bürgermeister besonders in allen sozialen Bereichen und im Zusammenhalt der Dorfgemeinschaften engagiert, andererseits dazu aber auch die Initiative der Bevölkerung einfordert. Als Beispiele wurden genannt, eine „Rentnertruppe“, die sich um die Ortsverschönerung kümmert, eine private Stiftung, die in Kooperation mit der Gemeinde ein Pflegeheim betreibt und auf dem Stiftungsgebäude die größte deutsche private Sternwarte betreibt.
Nach dem Mittagessen führte Jürgen Arnold die Besucher zu mehreren Punkten in Trebur. Dabei war festzustellen, dass die Dorferneuerung sehr intensiv durchgeführt wurde. Viele Nebenstraßen und Gassen sind nur für die Anlieger offen und verkehrsberuhigt gestaltet. Da neben dem Pflegeheim ein Kindergarten steht, gehen die Ganztagskinder zum Mittagessen ins Pflegeheim, was entgegen erster Bedenken, zu einem lebhaften und harmonischen Miteinander zwischen Alt und Jung geführt hat, erläuterte der Bürgermeister.
Neben der finanziellen Lage plagt sich die Gemeinde auch mit einem geplanten 140 h großen Kiesabbau herum und dem zunehmenden Fluglärm durch die neuen Routen des Frankfurter Flughafens, von denen eine direkt über Trebur führt. In beiden Fällen wehren sich auch Bürgerinitiativen. Bis zum Ende seiner Amtszeit will Bürgermeister Arnold durch zwei Großprojekte seine Gemeinde mindestens energieneutral machen. Zur Zeit laufen Vorbereitungen für ein großes schwimmende Solarfeld auf einem ausgekiesten Baggersee und die seismologischen Untersuchungen im gesamten Gemeindegebiet für den Standort eines großen Geothermiewerkes. Dazu hat sich Arnold das Bergrecht für die Gemeinde gesichert, um frei und sicher die Zukunftsentscheidungen treffen zu können.
An der Rheinfähre Kornsand bedankte sich Willi Heß namens der KWI bei Bürgermeister Jürgen Arnold für die vielen aufschlussreichen Erläuterungen und dessen großen Zeitaufwand für die Reisegruppe.
Nach der Rheinüberfahrt kehrte die Gruppe in Nierstein zum gemütlichen Abschluss ein und kam spätabends wieder in Kinzenbach ein. Ein Teilnehmer formulierte seine Eindrücke abschließend so: Trebur ist eine Gemeinde mit ihren eigenen Problemen, wo der Bürgermeister manchmal gegen kurzsichtige Parteiinteressen kämpfen muss, aber immer sehr engagiert und unabhängig versucht, das Machbare und Beste für die Bürger zu erreichen.

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